07.12.2022

2023: Das Jahr des Eisbergs.

Unsere Wirtschaftsforscher prognostizieren für Österreich im kommenden Jahr eine Stagflation: kein wirtschaftliches Wachstum bei gleichzeitig hoher Inflation. Ein ökonomischer Zustand, welcher bei uns zuletzt während der Ölkrise 1973 eintrat. Und ein Eisberg, auf den wir zusteuern.

Unser Wohlstandsniveau wird sinken und soziale Spannungen werden zunehmen. Ohne Wirtschaftswachstum und Nachfrage, weniger Einnahmen in der Staatskassa. Und damit weniger Möglichkeiten an gezielten Hilfen als Rettungsboot für jene, die sie dringend benötigen. Was steht uns bevor? Und wie können wir diesen Eisberg umfahren? Wir wagen einen Ausblick:

Die fetten Jahre sind vorbei.

Laut Konjunkturprognosen des IHS und des Wifo wächst Österreichs Volkswirtschaft im kommenden Jahr nur noch um 0,2 bis 0,3 %. Zum Vergleich: In der ersten Jahreshälfte 2022 waren es noch 4,7 % – die Unternehmens­gewinne sprudelten. Gleichzeitig wird für nächstes Jahr eine Inflationsrate von 6,5 bis 6,8 % erwartet. Unser Nachbar Deutschland rechnet sogar mit negativem Wirtschaftswachstum – einer Rezession.

Der Wirtschaftsabschwung wird uns die nächsten zwei bis drei Jahre begleiten.

Florian Schatz, Geschäftsführer SHS

Ausschlaggebend dafür, ist ein Zusammentreffen multipler Krisen – geopolitischer, ökonomischer und gesellschaftspolitischer Natur –, welche zu rasanten Verwerfungen und Wettbewerbsverzerrungen führen. Hinzu kommt der Mangel an Personal. Man rechnet auch in Zukunft damit, nur schwer neue und geeignete Mitarbeiter zu finden. Spitzenkräfte werden erfahrungsgemäß in Unternehmen gehalten, darum bleibt die Knappheit an gutem Personal bestehen. Als wäre das nicht schon genug, befinden wir uns mit einem Fuß bereits in der demographischen Verschiebung am Arbeitsmarkt. Weniger junge Menschen rücken ins Berufsleben nach und die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer gehen in Pension. Jene die nachrücken, möchten tendenziell weniger Stunden leisten. Dieser Umstand wird zu einem strukturellen Problem werden. Alles eigentlich nichts Neues.
Doch was heißt das operativ für Unternehmen? Worauf sollten wir uns einstellen?

Kostenexplosion in alle Richtungen.

In Folge der Coronapandemie entstanden Störungen in den globalen Lieferketten und die Rohstoff­preise stiegen. Mit der Verknappung an Transportkapazitäten schnellten die Transportkosten in die Höhe.
Die gute Nachricht zuerst: Von den internationalen Rohstoffpreisen dürften vorerst keine preistreibenden Impulse mehr ausgehen und auch die globale Lieferkettenproblematik beginnt sich zu entspannen. Containerpreise sinken wieder. Die Preise für einen Container aus Asien sind in den letzten Wochen von $ 20.000 auf etwa $ 3.000 gefallen.
Stattdessen belasten die hohen Energiekosten und die hohen Tariflohnabschlüsse bzw. Personalkostensteigerungen. Diese drücken zusätzlich auf die Margen und die Profitabilität der Unternehmen. Die Arbeitslosenquote wird von 6,4 % heuer auf 6,7 % im kommenden Jahr steigen, so die Voraussage des IHS.

Die operative Konsequenz: Eine Planung wird aufgrund der hohen Volatilität und der großen Unsicherheit immer schwieriger. Planungsintervalle werden immer kürzer und Budgets werden ständig revidiert. Ein Fahren auf Sicht ist derzeit die Devise. Zusätzlich steigen die Kosten aufgrund der anhaltend hohen Inflation weiterhin. Und die Nachfrage geht mit der sinkenden Kaufkraft zurück.

Auch, wenn es noch nicht in allen Branchen angekommen ist: Menschen achten penibel auf ihre Ausgaben. Alles, was nicht dringend benötigt wird, wird nicht gekauft (Beispiel: Möbel, Wohnaccessoires, Bekleidung oder Haushaltsgeräte). Auch die Finanzierungskosten steigen. Geld bekommt wieder einen Wert. Bleiben Geldentwertung und schwaches Wirtschaftswachstum länger aufrecht, droht ein gravierender Wohlstandsverlust.

Aufgrund von Faktoren wie strengerer Kreditvergabekriterien, Preissteigerungen von bis zu 25 % sowie fehlender Preisgarantien, rechnet die Bauwirtschaft für 2023 mit einer um 20-25 % niedrigeren Bauleistung. Durch die eintretende Kaufzurückhaltung leiden besonders der stationäre Handel und die Konsumgüterindustrie.

Internationaler Wettbewerb.

Exportierende Unternehmen geraten zusätzlich unter Druck. Je höher der Energiekostenanteil, desto mehr verschlechtert sich die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich mit Ländern, mit weit geringeren Energiekosten, wie beispielsweise den Vereinigten Staaten. Währungsdifferenzen können die Situation noch verschärfen. Für nächstes Jahr erwartet das IHS nur noch eine Zunahme der Warenexporte um 1,0 %.

In der Covid-Krise wurden die Unternehmen durch Kurzarbeit, Stundungen und Zuschüsse gut gestützt. Zum Teil gipfelten die Maßnahmen jedoch in einer Überförderung. Das hat das sonst so wichtige Unternehmertum in Mitleidenschaft gezogen und manchmal auch zum Einschlafen gebracht. In China aber wird nicht geschlafen – doch das will man bei uns nicht sehen.

Der Druck zur Produktivitätssteigerung und Liquiditätssicherung wird signifikant steigen.

Johanna Jetschgo, Partnerin SHS

Dennoch gibt es, wie in jeder Krise, auch hier Gewinner. Nämlich jene Unternehmen, die schnell und klug auf die neuen Rahmenbedingungen reagieren und sie aktiv gestalten. Jene, die…

  • nicht nur abwarten und auf Unterstützungsmaßnahmen hoffen, sondern lernen und handeln.
  • Zukunftsszenarien entwickeln. Auch, wenn eine Budgetplanung kaum möglich ist.
  • prüfen, ob Leistungsangebot und Geschäftsmodell überhaupt noch zukunftsfähig sind. Und sich von allem, was nicht mehr zukunftsfähig ist, trennen.
  • ihre Kosten auf Reduktions­potenziale untersuchen und die Kostenstruktur straffen, um handlungsfähig zu bleiben.
    Das wird vor allem für jene Unternehmen unausweichlich werden, welche die Kostensteigerungen nicht oder nur anteilig über Preiserhöhungen weitergeben können.
  • ihr Working Capital aktiv managen.
    Die massiven Probleme mit einer rechtzeitigen und ausreichenden Materialversorgung haben dazu geführt, dass viele Unternehmen heute „overstocked“ sind. Und das noch dazu zu sehr hohen Preisen. Bei deutlichen Rückgängen im Auftragseingang schlägt sich dies nicht nur in der Liquiditätsbelastung, sondern auch in den Ergebnissen nieder.
  • ihr Projektportfolio neubewerten und auf jene Projekte bauen, die einen raschen Return on Investment garantieren.
  • sich auf ihre Kernkompetenzen fokussieren. Und sich damit von Kunden, die keinen Deckungsbeitrag liefern sowie von erfolglosen Produkten konsequent trennen.
  • sich zuerst auf jene Tätigkeiten konzentrieren, die einen positiven Einfluss auf ihre kritischen Erfolgsfaktoren haben. Und Tätigkeiten, ohne erkennbaren Mehrwert für den Kunden streichen.
  • repetitive Arbeiten auf Maschinen übertragen. Und ihre Mitarbeiter für zukünftig essenzielle Aufgaben qualifizieren.
  • den Mitbewerb im Blick behalten, um die Chance auf Kooperationen, Eroberung zusätzlicher Marktanteile oder einer Firmenübernahme nicht vorbeiziehen zu lassen.
    Es wird Unternehmen geben, die mit ihren bisherigen Geschäftsmodellen auch mittelfristig nicht mehr überleben können. Ebenso wie es Unternehmer geben wird, denen ein Weitermachen unter diesen Rahmenbedingungen schlicht keine Freude mehr bereitet. Damit steigt die Chance auf Übernahmen von Firmen, die in den letzten Jahren überteuert waren.
  • dennoch in Innovation, Wachstum und Weiterentwicklung investieren. Und die Chance, neue Geschäftsmodelle und Serviceleistungen zu erschließen, nutzen.

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