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Transformation ist die härteste Form von Führung.

„Weiter so“ ist eine Option. Aber keine gute.

Seit 30 Jahren begleitet SHS Unternehmen durch Veränderungsprozesse: von Fitnesschecks, über Reorganisationen bis hin zu Digitalisierung. Und dabei wird eines immer deutlich: Transformation an sich ist kein Projekt. Sie ist ein Stresstest für Strukturen, Führung und das gesamte Unternehmen.

Heute ist alles schneller: Mehr Tools, mehr Daten, mehr Tempo und mehr Möglichkeiten. Doch die alten Schwächen bleiben. Paradox dabei: Je mehr darüber gesprochen wird, desto öfter scheitert es am Grundlegenden. An wahrgenommener Verantwortung, Führung, getroffenen Entscheidungen und Konsequenz.

Es ist Zeit für eine Bestandsaufnahme.

Was hat sich an Transformation tatsächlich verändert? Was bleibt konstant? Im Gespräch mit Clemens Satke, Geschäftsführer der SHS, geht es um Führung, Verantwortung und die Frage, woran Veränderung am Ende wirklich oft scheitert.

Redaktion: Herr Satke, hat sich Transformation in Organisationen substanziell verändert oder finden wir nur neue Beschreibungen für das gleiche Problem?

Clemens Satke: Beides. Das Grundmuster bleibt ähnlich: Unternehmen müssen sich anpassen, weil die Realität schneller ist als ihre Organisation. Was sich jedoch massiv verändert hat, ist das Umfeld. Früher war Veränderung ein klarer Eingriff mit Anfang und Ende. Heute ist sie Dauerzustand. Dazu kommt sie aus mehreren Richtungen gleichzeitig. Nicht nur das Tempo ist gestiegen, sondern auch die Gleichzeitigkeit der Themen. Das ist operativ schwer steuerbar.

Früher ging es darum, einen Schlag auszuhalten und danach wieder Tritt zu fassen. Heute verändert sich die Lage laufend. Deshalb reicht Resilienz allein nicht mehr aus. Unternehmen brauchen vor allem Anpassungsfähigkeit. Früher konnte man es sich eher leisten, Dinge auszusitzen. Heute wird das Hinauszögern sofort bestraft. Vom Kunden, vom Markt, aber auch von den eigenen Mitarbeitern.

Als Gründer der SHS haben Sie viele Veränderungswellen gesehen. Was ist aus Ihrer Sicht heute der größte Irrtum im Umgang mit Transformation?

Clemens Satke: Der größte Irrtum ist der Glaube, man könne Transformation organisieren, ohne etwas aufzugeben. Veränderung bedeutet immer auch Verzicht. Wenn alles weiterlaufen soll wie bisher, entsteht kein Wandel. Wir haben in den letzten Jahrzehnten viele Programme gesehen, die gut gestartet sind und daran gescheitert sind, weil niemand bereit war, wirklich etwas wegzulassen.

Heute heißt es „Transformation“, damals „Change“, „Veränderung“, „Reorganisation“ oder „Neuausrichtung“. Die Begriffe ändern sich, aber der Kern bleibt ident. Neues wird gestartet, ohne dass Altes konsequent beendet wird. Was sind wir bereit aufzugeben? Wo sind wir bereit loszulassen?

Wir sprechen viel über das Weglassen und das Priorisieren: Wann ist der Moment, in dem eine Führungskraft wirklich entscheiden muss?

Clemens Satke: Der Moment kommt, wenn eine Entscheidung Verzicht bedeutet. Solange niemand zurückstecken muss, lässt es sich gut moderieren. Sobald aber Budgets gestrichen, Einfluss verschoben oder ein Lieblingsprojekt beendet werden soll, entsteht Widerstand. Und das ist normal. Wenn man diejenigen fragt, die betroffen sind, bekommt man selten Zustimmung. Warum sollte jemand freiwillig auf gewohnten Luxus, Ressourcen, Status oder Gewohnheit verzichten?

Priorisierung ist deshalb keine Stimmungsfrage, sondern eine Führungsentscheidung. Ich habe einmal von einem sehr erfolgreichen Unternehmer einen Satz gehört, der mir geblieben ist: „Der Leidensdruck in meinem Unternehmen bin ich.“ Das klingt hart, ist aber wahr. Wenn niemand den Impuls setzt, bleibt alles, wie es ist. Genau in diesem Moment zeigt sich Führung. Auch wenn sie unbeliebt wird.

Heißt das, Führungskräfte werden mit der Zeit zu bequem?

Clemens Satke: Ja, genau das beobachten wir. Führung verläuft in Zyklen. Am Anfang geht es um Orientierung und Legitimation. Danach folgt die Phase des Gestaltens: Entscheidungen treffen, Strukturen verändern, Tempo machen. Irgendwann stabilisiert man, institutionalisiert das Erreichte und beginnt es zu schützen.

Genau dort wird es kritisch. Stabilität kippt langsam in Selbstzufriedenheit. Man bewahrt, was man aufgebaut hat, vermeidet Reibung und nennt es „Harmonie“. Dann werden Entscheidungen vorsichtiger oder gar nicht getroffen, damit die Risiken klein gehalten werden. Das ist menschlich. Aber in unserer Welt, die sich permanent verändert, wird diese Bequemlichkeit am Ende zum Risiko fürs Überleben.

Digitalisierung und KI prägen viele Veränderungsprogramme. Ist das bereits Transformation?

Clemens Satke: Nein. Digitalisierung und KI sind Tagesgeschäft. Sie sind nur ein Teil der Transformation. Ein entscheidender, aber eben auch nur ein Teil.

Ich würde es als 50:50 beschreiben. 50 Prozent sind Technologie. 50 Prozent sind Strukturen und Organisation. Am Ende ist nicht entscheidend, wie viel Technologie ein Unternehmen einführt, sondern wie beweglich die Organisation dahinter ist. Neue Technologien waren immer notwendig, haben immer schon Möglichkeiten geschaffen, aber sie ordnen keine Zuständigkeiten. Sie ersetzen keine Führung und sie treffen vor allem keine grundlegenden Entscheidungen. KI skaliert Wachstum, ohne dass jede zusätzliche Leistung mehr Personal erfordert. Aber sie ersetzt keine schlechte Organisation. Wer nur digitalisiert, modernisiert die Oberfläche, aber längst nicht das Unternehmen und die Strukturen.

Was passiert, wenn Unternehmen nur auf Technologie als Transformation setzen?

Clemens Satke: Dann beschleunigen sie ihre Schwächen. Es ist ganz einfach:

KI macht Prozesse schneller. Aber wenn die Prozesse unklar sind, werden sie nur schneller unklar.

Tools erhöhen Transparenz. Aber wenn Verantwortungen nicht geregelt sind, wird nur das Chaos sichtbarer. Die nächsten Jahre werden technologisch keine lineare Weiterentwicklung bringen, sondern Sprünge. Das ist mittlerweile allen klar.

Gleichzeitig wird sich aber wirtschaftlich enorm viel verschieben. Märkte reagieren schneller, Geschäftsmodelle werden kurzlebiger. Das sehen wir schon heute. Wer glaubt, er könne die Organisation so lassen wie sie ist und nur die Technik modernisieren, wird definitiv den Anschluss verlieren. Das zeigt uns wieder: Transformation beginnt in der Führungsetage.

Was wird sich in den nächsten Jahren in der Transformation verschärfen? Worauf sind Unternehmen noch nicht vorbereitet?

Clemens Satke: Verschärfen wird sich vor allem die Geschwindigkeit und die Gleichzeitigkeit. Unternehmen müssen Technologie, Demografie, Regulierungen, geopolitische Unsicherheit usw. parallel bewältigen. Denn das geschieht nicht nacheinander, sondern gleichzeitig. Mit ihren langen Entscheidungswegen, immer neuen Regularien und diffusen Verantwortlichkeiten sind viele Unternehmen dafür nicht richtig aufgestellt. Das ist vergleichbar mit der europäischen Wirtschaftspolitik. Nur eben im Kleinen.

Und das erhöht den Druck auf Führung. Nicht im Sinne von Motivation, sondern im Sinne von Klarheit und Konsequenz. Der Spielraum für Unentschlossenheit wird kleiner. Das ist anspruchsvoll. Aber es ist auch eine Chance für Unternehmen, die bereit sind, zu führen. Denn es geht längst nicht mehr nur darum, Veränderung auszuhalten. Entscheidend ist, wie anpassungsfähig ein Unternehmen wirklich ist.

Wer gestalten will, muss auch entscheiden.

30 Jahre Erfahrung führen SHS zu einem klar erkannten Muster:
Organisationen scheitern nicht an der Technologie, sondern an fehlender Konsequenz. Die nächsten 30 Jahre werden schneller. Wer bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, läuft vorne mit. Der Rest wird abgehängt.

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